Galakonzert des Kirchenchores

Galakonzert: Kirchenchor Emmels-Hünningen ist 120 Jahre alt

„Viel gegeben, aber bekam mehr zurück“

 


Der imposante Chor, begleitet von einem Bläserquartett, sorgte für einen ereignisreichen Abend in der Emmelser Kirche. Fotos: Gerd Hennen

Von Gerd Hennen

Emmels

Der Kgl. Kirchenchor „St.Cäcilia“ Emmels-Hünningen lud am vergangenen Samstagabend anlässlich seines 120-jährigen Jubiläums zu einem großen Galakonzert in die Pfarrkirche ein. Dirigent Denis Gabriel konnte für ein ehrgeiziges Musikprojekt gleich vier Chöre gewinnen, die er zu einer Chorgemeinschaft formte.

 

Hierbei handelte es sich um Chöre aus Malmedy, Weismes, Thirimont und eben aus Emmels. Diese Gemeinschaft präsentierte die bekannte „Missa Brevis“ des niederländischen Komponisten Jacob de Haan. Mit dem Lodomez-Bläserquartett aus Xhoffraix verlieh der dynamische Chorleiter Denis Gabriel der Gala einen besonders musikalischen Glanz.

Die „Missa Brevis“ mit den traditionell kirchlichen Teilwerken Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei entstand 2002 aus der Feder des in Kreisen der Blechbläser bekannten Komponisten.

 

Vervollständigt wurde das Galakonzert durch den Auftritt des St.Vither Streichorchesters unter der Leitung von Payambé Reyes, der ein vielseitiges und Epochen übergreifendes Programm zusammenstellte, das für Kurzweil in der Pfarrkirche in Emmels sorgte.

 

Herr Gabriel, handelt es sich bei diesem Projekt um das erste dieser Art für Sie?

 

Ich dirigiere Chöre bereits seit meinem 20. Lebensjahr, sodass ich auf eine über 30-jährige Pulterfahrung zurückblicke. Dieses Projekt mit vier Chören ist eigentlich aus der Not heraus entstanden, da es immer mein Traum war, ein imposantes Werk einzustudieren. Doch meine Chöre waren mitgliedermäßig einfach zu klein. Somit reifte die Idee, das Chorprojekt mit vier Chören, quasi als große Chorgemeinschaft zu stemmen.

 

Wie oft haben Sie die „Missa Brevis“ von Jacob de Haan bereits aufgeführt?

 

Bislang haben wir die Messe drei Mal aufgeführt. Hier in Emmels handelte es sich um das vierte Mal. Ich hege aber die Hoffnung, dass noch weitere Aufführungen folgen werden. Ein Engagement in Luxemburg ist leider gescheitert, doch glaube ich, dass es in Lüttich klappen könnte.

 

Welches Ziel verfolgten Sie mit diesem Chorprojekt?

 

Vorrangiges Ziel war es vor allem klassische, liturgische Gesänge einem breiten Publikum vorzustellen. Dadurch wollte ich zeigen, dass diese Werke auch trotz ihrer Jahrhunderte alten Tradition nichts an ihrer Lebendigkeit und Schönheit eingebüßt haben. Im Laufe der Proben ist der Funke der Begeisterung ebenfalls auf die Sängerinnen und Sänger über gesprungen, sodass alle an einem Strang gezogen haben und das Projekt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und einem unbändigen Einsatz untermauerten. Ein 30-minütiges Werk erfordert eben eine Menge an Proben und musikalischen Vorbereitungen auf die sich jeder Einzelne zunächst einmal einlassen muss.

 

Wie sehen Ihre Perspektiven nach diesem Projekt aus?

 

Ich habe den Enthusiasmus gespürt, sodass ich der Auffassung bin, dass der eingeschlagene Weg noch lange nicht beendet sein muss. Es gibt noch sehr viele musikalische Perlen, die gemeinsam zu entdecken sind. Ich verspüre jedenfalls große Lust, diese begonnene Kooperation auch in den kommenden Jahren entsprechend dynamisch fortzusetzen.

 

Welches sind die Vorteile und Trümpfe einer solchen Zusammenarbeit?

 

In jedem kleinen Dorfchor liegt das Hauptproblem im Gleichgewicht der Stimmen. Natürlich spielt auch der fehlende Nachwuchs eine große Rolle. Wenn man nun verschiedene Chöre mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen bündelt, entsteht zwangsläufig ein ausgeglichener Klangkörper, der es ermöglicht, auch facettenreichere Genres zu bearbeiten. Auch die Dopplung der Stimmen in allen Lagen formt ein üppigeres Klangbild, das die Sänger mitreißt und motiviert. Und gerade das macht ein solches Projekt für mich zu einem Erlebnis: ich habe viel gegeben, aber heute am Pult habe ich deutlich mehr zurückbekommen.

 

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Chöre im ländlichen Raum derzeit um ihre Existenz bangen müssen?

 

Es ist allgemein festzustellen, dass sowohl kirchliche als auch weltliche Chorgemeinschaften ähnliche Probleme im Bereich der Nachwuchsrekrutierung haben. Das liegt vor allem daran, dass es derzeit ein Freizeitüberangebot gibt und immer weniger Menschen bereit sind, sich für einen Verein zu engagieren. Natürlich haben auch die Chorleiter und Chorverantwortlichen in der Vergangenheit hinsichtlich der Werkauswahl Fehler gemacht. Aber beobachten wir mal die Zahl der Kirchgänger, auch diese hat sich in den vergangenen Jahrzehnten arg dezimiert. Das Interesse für liturgischen Gesang ist halt nicht mehr so groß wie noch vor fünfzig Jahren.

 

Leon Lejeune, ehemaliger Chorleiter und seit 64 Jahren Mitglied

„Steigerung der Qualität ist eine Gratwanderung“

Leon Lejeune ist seit 64 Jahren aktives Mitglied des Kgl. Kirchenchors „St.Cäcilia“ Emmels-Hünningen.

 

Herr Lejeune, wie kamen Sie zum Chorgesang?

 

Ich ging in Ciney zur Schule und hatte dort das große Glück, in einem Schulchor singen zu dürfen. Dort entdeckte ich meine Liebe zur Musik und trat nach meiner Rückkehr nach Emmels sofort in den Kirchenchor ein. Ich war über 30 Jahre lang Chorleiter und fungierte auch hier in der Kirche als Organist. In dieser Zeit hatte ich stets gute Unterstützung durch meinen Ziehvater Johannes Piette, der mir einige Zeit Klavierunterricht gab, mir stets mit Rat und Tat zur Seite stand und mich ermutigte, weiter zu machen.

 

Wie sah Ihre Musikausbildung aus?

 

Eigentlich bin ich Autodidakt. Meine Klavierausbildung musste ich nach anderthalb Jahren beenden, da ich im landwirtschaftlichen Betrieb helfen musste. Familie und Beruf erschwerten ebenfalls eine konsequente Ausbildung. Auch den Posten des Organisten habe ich ausgefüllt, mehr schlecht als recht, doch bin ich stets mit den Herausforderungen der Pfarrgemeinde klargekommen.

 

Was hat sich in den letzten sechs Jahrzehnten im Chorwesen verändert?

 

Das Chorleben hat sich komplett verändert. In meinen Anfangsjahren war das Repertoire neben dem kirchlichen Gesang vorwiegend auf volkstümliche Gesänge ausgerichtet. Unsere Proben waren ebenfalls so aufgeteilt, dass im ersten Teil liturgische Werke einstudiert wurden, während im zweiten Teil dann der Unterhaltung in Form von Volksmusik gefrönt wurde. Dieser volkstümliche Part ist völlig aus dem aktuellen Chorwesen verschwunden. Das ist nicht tragisch, doch anders. Die Anforderungen an die Sänger haben sich auch in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesteigert, sodass viele Hobbysänger aus den Vereinen austraten. Die Steigerung der gesanglichen Qualität stellt immer wieder eine erhebliche Gratwanderung dar.

 

Welches sind die Ursachen für den fehlenden Nachwuchs bei Chören?

 

Die Leute haben einfach keine Zeit mehr. Auch der Wunsch nach Geselligkeit blieb auf der Strecke. Das sind natürlich Hemmschwellen für Vereine. Gemeinschaftsprojekte können vielleicht dazu beitragen, diese Lage in Zukunft zu verbessern. (gh)