Pater Felix Eicher verstorben

Missionar aus Emmels wirkte in Chile

(Grenz Echo)

 

In seiner Wahlheimat Chile ist der aus Emmels stammende Pater Felix Eicher am Samstag im Alter von 88 Jahren verstorben.

 

Im kommenden Jahr hätte der Missionar sein diamantenes Priesterjubiläum feiern können. Hinter dem Seelsorger liegt ein fast 60-jähriges Wirken in Südamerika, wo er schon früh eine zweite Heimat gefunden hatte. Die Begräbnisfeier findet am Montag in Laja/Chile statt.

 

Lesen Sie weiter einen Nachruf von Lothar Klinges (Grenz-Echo)

 

 

 

 

Nachruf: Pater Felix Eicher im Alter von 88 Jahren verstorben

Fast 60 Jahre im Dienste der Kirche Lateinamerikas

Von Lothar Klinges

Emmels/Chile

 

Am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) verstarb in Laja/Chile der aus Emmels gebürtige Pater Felix Eicher. Im kommenden Jahr hätte der 88-jährige Missionar sein diamantenes Priesterjubiläum feiern können. Hinter dem engagierten Seelsorger liegt ein fast 60-jähriges Wirken in Südamerika, wo er schon früh eine zweite Heimat gefunden hatte.

 

Felix Eicher wurde am 4. April 1926, an Ostern, in Emmels geboren. Er war der Jüngste von sechs Geschwistern der Familie Johann und Margareta Eicher-Bongartz. Als er neun Monate alt war, starb sein Vater. Seine Mutter starb 1936, als der Sohn zehn Jahre alt war. „Meine Geschwister waren für mich damals eine wertvolle Begleitung, konnten aber die Mutter nicht ersetzen“, erzählte er anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums im Jahr 2005.

Da die Familie nur eine kleine Landwirtschaft hatte, meinten die Geschwister, „ich könne studieren“. Und so besuchte Felix Eicher ab 1939 die Bischöfliche Schule in St.Vith. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Mai 1940 hat er das Studium nicht mehr fortgesetzt und half in der Landwirtschaft aus, bis im Januar 1944 die Einberufung zur Wehrmacht kam. Er entzog sich der Einberufung und versteckte sich in der Wallonie, wo er auf einem Bauernhof arbeitete und mancherlei gefährliche Erfahrung machen musste.

 

Mit 21 Jahren entschieden, sein Leben Gott zu schenken.

 

Nach seiner Rückkehr riet ihm der damalige Pfarrer Scheif, sein Studium wieder aufzunehmen. Da aber infolge der Ardennenoffensive alles zerstört war, blieb keine andere Möglichkeit, als weiter auf dem Bauernhof zu helfen. „Meine Geschwister heirateten nacheinander, und allein stehend, wollte auch ich diesen Weg gehen. Aber es kam anders. Beim Kühemisten nach einer Ballveranstaltung sah ich einerseits mein Herz trüb, leer und kalt und andererseits ein Herz voll Saft und Grün.“ Mit 21 Jahren wollte er „nach diesem Wink Gottes sein Leben Gott schenken.“ Als er dies seiner Freundin mitteilte, antwortete diese: „Wenn der Herrgott dich haben will, muss ich zurückstehen“.

 

Nach einem Gespräch mit einem Priesterfreund entschloss er sich, alles zu verlassen, um dem Rufe Gottes zu folgen. Er begann sein Priesterstudium in Sint-Truiden und ab 1951 am Priesterseminar in Lüttich.

 

Im vorletzten Theologiejahr sprach ein belgischer Priester, der in Argentinien tätig war, über den Priestermangel in Südamerika. Das ging ihm so zu Herzen, dass in ihm der Wunsch aufkam, nach Lateinamerika zu gehen. Er wechselte in das gerade gegründete Kolleg für Lateinamerika in Löwen über.

Am 11. April 1955 wurde er von Bischof Kerkhofs in Lüttich zum Priester geweiht. Schon im September desselben Jahres reiste er zusammen mit einem belgischen Mitbruder per Schiff nach Argentinien, wo er fast sechs Jahre in zwei verschiedenen Pfarren und in einem Vorbereitungsseminar arbeitete.

Nach Station in Argentinien neue Heimat in Chile gefunden.

 

1961 kam er von Argentinien zum ersten Mal auf Heimaturlaub. Am lateinamerikanischen Kolleg erfuhr er von einem chilenischen Bischof, der dringend Priester benötigte für sein neu gegründetes Bistum Los Angelos. Er hatte gerade mal sieben Diözesanpriester, zudem waren verschiedene größere Orte ohne Priester. Nach seiner Rückreise wurden in Argentinien die Koffer gepackt und es ging im Zug über die tief verschneiten Anden nach Santiago. Dort traf er zufällig einen Steyler Pater, Johann Meyer aus Herresbach.

Der Bischof von Los Angelos wollte eine neue Pfarre gründen. Die Kirche befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Auf eigene Faust besuchte er das arme Städtchen und konnte sich von der trostlosen Lage überzeugen.

Am 6. August 1961 wurde die Pfarre „Christo Rey de Laja“ gegründet und Felix Eicher als deren erster Pfarrer eingesetzt. Die Pfarre, die damals etwa 1.000 Einwohner zählte, ist inzwischen auf rund 23.000 Einwohner angewachsen. Vor sieben Jahren legte er die Verantwortung in jüngere Hände und war seitdem als Hilfspriester in „seiner“ Pfarre tätig.

 

Im Juni 2014 kam der Fidei Donum-Priester des Bistums Lüttich in ein Seniorenheim in Bucon im Süden Chiles, wo seine Familie aus der Eifel ihn noch kürzlich besucht hat. Im Oktober musste er ins Krankenhaus und kehrte am 12. Dezember nach Hause, d. h. nach Laja, zurück, wo er am Samstagmorgen verstarb.

Die Begräbnisfeier findet am Montag in Laja/Chile statt. Zu einem späteren Zeitpunkt werden seine Familie und die Christengemeinde aus Emmels in einem Gottesdienst Pastor Eicher gedenken.

 

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 Treffen der Missionsfreunde Büllingen-St.Vith mit den Heimatmissionaren am 17. August 2011 in St.Vith.

Die Missionsfreunde Büllingen-St.Vith begegneten ihren Missionaren

Missionare können auf ihre Eifeler Heimat zählen

St.Vith
Von Lothar Klinges

Am Mittwoch war im Pfarrheim St.Vith ein Hauch von Weltkirche spürbar. Selten konnte man das „Katholische“ im Sinne von „weltweit“ so hautnah erleben. Mehrere Eifeler Missionarinnen und Missionare befinden sich zurzeit auf Heimaturlaub.

Da ist eine Ordensfrau aus Hinderhausen, die mit 82 Jahren topfit hunderte Kilometer auf dem Motorrad zurücklegt, um die weit auseinanderliegenden Ortschaften in der Diözese Kenge (Kongo) zu besuchen oder ein Missionsbruder aus Neidingen, der als fast 80-jähriger „Architekt“ einen riesigen Schulkomplex für fast 2000 Schüler in Nyangezi aufgebaut hat oder eine Schwester aus Hinderhausen, die sich als 77-Jährige mit Großgrundbesitzern und dem Militär im Nordosten Brasiliens anlegt, oder ein 85-jähriger Priester aus Emmels, der jeden Sonntag in Chile 500 Jugendliche im Gottesdienst zählt und über drei Stunden Beichte hört.

Jedes Jahr nehmen Pastor Hermann Pint und Franziska Fickers-Zeimers von den Missionsfreunden Büllingen-St.Vith den Urlaub der Heimatmissionare zum Anlass, die Missionsgruppen einzuladen. Ein Treffen, das vor allem dazu dient, die Verbundenheit der Eifeler mit ihren Missionaren in aller Welt zum Ausdruck zu bringen. „Eure Arbeit wird hier in der Heimat sehr geschätzt“, sagte der Pfarrer von Mürringen-Hünningen, der seit vielen Jahrzehnten mit Franziska Fickers die Vereinigung der „Missionsfreunde“ leitet. Eine Zeitschrift, die zweimal jährlich erscheint und von Walter Peterges aus Nidrum gestaltet wird, will die Verbundenheit unter den Missionsgruppen und mit den Missionaren stärken.

Eine Ordensfrau und ein Priester aus Lateinamerika, sowie drei Ordensleute aus dem Kongo nahmen an dem Treffen teil, das auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Mitglieder von Missionsgruppen aus Burg-Reuland, Recht, Grüfflingen, Manderfeld und Büllingen, sowie weitere Förderinnen der Missionare vereinte.

Die Begegnung verstehen die Verantwortlichen auch als Dank für die Treue der hiesigen Bevölkerung zu ihren Missionaren, die spüren sollen, dass „die Heimat hinter ihnen steht und sie unterstützt“, während die Missionsgruppen dadurch wieder neue Motivation für ihren Einsatz erfahren. Franziska Fickers freute sich, da ein solcher Tag zeigt, dass das Engagement der Missionsgruppen, die derzeit mehrere hundert engagierte und freiwillige Helferinnen und Helfer in Ostbelgien zählen, eine „sinnvolle Arbeit vor Ort“ ist. Sr. Monique George brachte mit gerührter Stimme, auch im Namen der anderen Missionare und Missionsschwestern, ihren Dank an die Heimat zum Ausdruck.

Baumeister

Der aus Neidingen stammende Maristenbruder Willy Felten brachte zahlreiche Fotos mit, die anhand einer Power-Point-Präsentation von Pastor Batty Hack aus Oudler, einem Neffen des Schulbruders, präsentiert wurden. Der 79-Jährige, der seit 1960 in Afrika tätig ist, den Völkermord 1994 in Rwanda hautnah miterlebt hat, und seitdem im naheliegenden Kivu tätig ist, wird in Nyangezi, 35 Km südlich von Bukavu, im Osten des Kongos als wahrer „Baumeister“ geschätzt. Die Maristen, die seit 100 Jahren im Kongo tätig sind, führen dort ein Ordenshaus und leiten eine Primarschule mit 1000 Schülern sowie ein Gymnasium mit 800 Schülern. Anhand der Fotos konnte sich jeder ein Bild davon machen, wie umfangreich die Arbeiten waren, die allesamt ohne Maschinen ausgeführt wurden. Sumpfgebiete wurden zur Landgewinnung entwässert, sodass eine Fläche von 750 Hektar angebaut werden konnte. Willy Felten, der das Internat der Schule leitet und der einzige noch weiße Maristenbruder vor Ort ist, berichtete ebenfalls von Plünderungen, von Überfällen durch Personen in Militäruniform, von Geiselnahmen von Menschen, die nur gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes freigelassen wurden.

Landbesetzungen

Die Ordensfrau Rita George aus Hinderhausen, berichtete von Landbesetzungen der landlosen Bevölkerung. Die 77-jährige Barmherzigkeits-Schwester, die seit zwanzig Jahren im brasilianischen Bundesstaat Alagoas tätig ist, nachdem sie vorher während achtzehn Jahren im Kongo gewirkt hatte, freute sich, dass die Spannungen bei der Landreform nachgelassen haben und sich die Auseinandersetzungen nunmehr auf Ebene von Gesprächen zwischen den Eigentümern, der Polizei, den Landorganisationen und der Regierung abspielen. Zuletzt erlebte sie aber eine Situation, bei der sich das Militär und die Bevölkerung, die seit sieben Jahren ein Stück Land besetzte, gegenüber standen. In Verhandlungen mit dem Gouverneur kam es schließlich zu einem Kompromiss. Das Projekt „Thallita“ hilft Straßenkindern in der Hauptstadt Maceio. „Die Straßenkinder sind und bleiben ein großes Problem in den größeren Städten. Ein Grund hierfür sind die große Arbeitslosigkeit der Väter und die Probleme der alleinerziehenden Mütter.“ Bis vor zwei Jahren führte die Ordensgemeinschaft noch eine technische Schule für junge Mädchen, die aus politischen Gründen von der Regierung geschlossen wurde, indem den Lehrpersonen der Lohn gestrichen wurde. Sr. Rita ist mit 77 Jahren in der Kinderfürsorge „Pastoral da Criança“ engagiert.

Pater Alex Goffinet berichtete von dem Projekt der Straßenkinder in Lumbumbashi im Süden des Kongo, wo 37 Kindern eine neue Lebensperspektive gegeben wird. Nicht zuletzt die Spenden aus dem goldenen Priesterjubiläum seines Vetters Aloys Mertes in Höhe von nahezu 9.000 Euro ermöglichen eine Fortsetzung des Projektes. Mit 79 Jahren wurde ihm nun die spirituelle Begleitung der Priesterkandidaten im Priesterseminar der kongolesischen Hauptstadt aufgetragen. Das Grenz-Echo ist kürzlich ausführlich auf das Projekt von Pater Goffinet eingegangen.

Motorrad

Monique George, Schwester von Rita George aus Hinderhausen, ist mit 82 Jahren im Kongo tätig. Erstaunen rief bei den zahlreichen Missionsfreunden hervor, dass sie trotz ihres Alters mit dem Motorrad die weiten Strecken zwischen den Dörfern zurücklegt und dabei die Gruppen der charismatischen Bewegung in der Diözese Kenge begleitet. „Ich fühle mich in Badundu sehr wohl und topfit“. Die ehemalige Mathematik- und Geografie-Lehrerin, die ebenfalls der Kongregation der Barmherzigkeitsschwestern angehört, darf sich in Kürze darüber freuen, seitens der Missionsfreunde einen Computer zu erhalten, der die alte Schreibmaschine ersetzen wird. Ihre Sorge gilt vor allem den Jugendlichen, denen sie in den Gruppen dazu verhilft, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, sich zu engagieren und so das Leben in den Dörfern zu verbessern. Im Bistum Kenge organisiert sie mit Benjamin Mvumbi Bobe eine regelmäßige Ausbildung der Laien, „denn diese tragen die Verantwortung, um nicht nur in der Kirche, sondern auch im sozialen Leben den Glauben zu leben. .

Pater Felix Eicher aus Emmels war der erste Pastor der vor 50 Jahren gegründeten Pfarre Laja im Bistum Los Angelos in Chile. In dieser Zeit gingen elf Priesterberufungen und sieben Ordensberufe aus seiner Pfarre hervor. Vor vier Jahren hat der heute 85-jährige Seelsorger, der während fünfzehn Jahren zudem geistlicher Begleiter des Priesterseminars von Conception war, die Pfarrverantwortung in jüngere Hände gelegt und ist seitdem als Kaplan in seiner Pfarre tätig. Er berichtete von der großen Lebendigkeit, die in seiner Pfarre mit den zahlreichen Gruppen herrscht.


PERSONALIEN

Alex Goffinet (79) stammt aus Lasnenville (Bellevaux), gehört seit genau 60 Jahren der Kongregation der Afrikamissionare (Weiße Väter) an und ist seit 52 Jahren im Kongo tätig, wo er während neun Jahren in Lumbumbashi gelebt und sich der Straßenkinder angenommen hat. Er kehrt am 15. September für wenige Tage nach Lumbumbashi zurück und übernimmt dann neue Aufgaben am Priesterseminar von Kinshasa (Kongo).

Rita George (77) wurde in Hinderhausen geboren und trat 1952 in den Orden der „Soeurs de la Charité“ in Namur ein. Seit 1990 ist sie im Nordosten Brasiliens tätig, nachdem sie vorher während achtzehn Jahren im Kongo gewirkt hatte, zuletzt in Bonja (Kikwit). Sie setzt sich stark für die Landlosen, die Straßenkinder und die Kinderfürsorge ein. Sie kehrt am 15. September nach Brasilien zurück.

Monique George (82) wurde ebenfalls in Hinderhausen geboren und trat 1953 in den Orden der „Soeurs de la Charité“ in Namur ein. Sie kehrt am 23. September nach Bandundu (Kongo) zurück.

Willy Felten wurde vor 79 Jahren in Neidingen geboren und trat in Habay (Provinz Luxemburg) in den Orden der Maristenbrüder (Schulbrüder) ein. Zuletzt war er vor vier Jahren auf Heimaturlaub. Er kehrt am 28. September nach Nyangezi (Ost-Kongo) zurück.

Felix Eicher wurde vor 85 Jahren als Jüngstes von sechs Kindern in Emmels geboren. „Beim Kühemisten nach einer Ballveranstaltung sah ich einerseits mein Herz trüb, leer und kalt und andererseits ein Herz voll Saft und Grün.“ Mit 21 Jahren wollte er „nach diesem Wink Gottes sein Leben Gott schenken.“ Als er dies seiner Freundin mitteilte, antwortete diese: „Wenn der Herrgott Dich haben will, muss ich zurückstehen“. Er wurde am 11. April 1955 zum Priester geweiht. Im September 1954 kam er nach Argentinien und fünf Jahre später nach Laja, einer Stadt, die heute 23.000 Einwohner zählt und vor 50 Jahren Pfarre wurde. Der Fidei-Donum-Priester des Bistums Lüttich ist seit seinem 81. Lebensjahr Kaplan dieser Pfarre, der er während 50 Jahren als Pfarrer vorstand. Er kehrt am 15. September nach Laja zurück.







18.08.2011